Fahrangst: Warum der Blick ständig im Rückspiegel landet und wie Sie den Fokus wieder nach vorn richten
Viele Menschen mit Fahrangst beobachten ständig den Verkehr hinter sich. Warum das passiert und wie Sie lernen, den Blick wieder sicher nach vorn zu richten.
Viele Menschen mit Fahrangst erzählen im Erstgespräch etwas Ähnliches:
"Ich weiß gar nicht, was das Auto vor mir macht. Ich schaue ständig, ob hinter mir jemand drängelt."
Dabei liegt das eigentliche Problem häufig nicht im Straßenverkehr, sondern im Kopf.
Warum passiert das?
Wer unter Fahrangst leidet, befindet sich oft in einer dauerhaften Alarmbereitschaft. Das Gehirn sucht ständig nach möglichen Gefahren. Für viele Betroffene scheint die größte Bedrohung dabei von hinten zu kommen:
- "Der hinter mir denkt bestimmt, ich fahre zu langsam."
- "Jetzt nerve ich alle."
- "Bestimmt hupt gleich jemand."
- "Ich halte den Verkehr auf."
Dadurch wandert der Blick immer wieder in den Rückspiegel. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer statt auf das, was vor dem Fahrzeug passiert.
Das Problem: Der wichtigste Bereich beim Autofahren befindet sich vor Ihnen.
Die Folgen
Wer sich überwiegend mit dem Verkehr hinter sich beschäftigt,
- erkennt Gefahren später,
- reagiert verzögert auf Bremsmanöver,
- fährt unruhiger,
- hält oft ungleichmäßige Geschwindigkeiten
- und fühlt sich anschließend noch unsicherer.
Es entsteht ein Teufelskreis: Mehr Unsicherheit führt zu noch mehr Blicken in den Rückspiegel.
Wie lässt sich das ändern?
Der erste Schritt besteht darin, den eigenen Blick bewusst zu trainieren.
Versuchen Sie während der Fahrt immer wieder folgende Reihenfolge einzuhalten:
- Weit nach vorne schauen.
- Den vorausfahrenden Verkehr beobachten.
- Den Blick in die Ferne richten.
- Den Rückspiegel nur kurz und gezielt kontrollieren.
Der Rückspiegel ist wichtig. Aber eben nur als Informationsquelle und nicht als Dauerfernsehen. Menschen haben schließlich genug erfunden, ohne den Rückspiegel zur Hauptattraktion des Tages zu machen.
Eine kleine Übung
Fragen Sie sich während der Fahrt regelmäßig:
"Kann ich gerade beschreiben, was die nächsten drei Fahrzeuge vor mir machen?"
Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, wissen Sie meist sofort, dass Ihre Aufmerksamkeit wieder nach hinten gewandert ist.
Der psychologische Hintergrund
Menschen mit Fahrangst überschätzen häufig die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer.
Die Realität sieht meist anders aus: Der Fahrer hinter Ihnen denkt wahrscheinlich gerade an den Einkauf, den Feierabend oder warum seine Klimaanlage wieder komische Geräusche macht. Die wenigsten beschäftigen sich dauerhaft mit Ihnen.
Tipp
In unserem Fahrangst- und Wiedereinsteigerprogramm trainieren wir genau diese Blickführung Schritt für Schritt. Häufig beginnen wir sogar im Fahrsimulator. Dort kann ohne Zeitdruck geübt werden, den Blick wieder nach vorne zu lenken und Vertrauen in die eigene Fahrweise aufzubauen.
Denn sicheres Autofahren beginnt nicht am Gaspedal, sondern dort, wo Ihre Aufmerksamkeit liegt.
Und immer daran denken:
Beim Autofahren ist die Windschutzscheibe riesig und der Rückspiegel klein. Das ist kein Zufall. Das Wichtigste passiert vor dir. Der Rückspiegel informiert dich, die Windschutzscheibe führt dich.