Verkehr & Alltag
Bin ich noch sicher unterwegs? Ein ehrlicher Blick auf die eigene Fahrfähigkeit im Alter
Viele ältere Menschen fahren sicher und verantwortungsvoll Auto. Doch manchmal verändern sich Reaktion, Wahrnehmung oder Konzentration. Wie erkennt man Warnzeichen und wann sollte man sich Unterstützung holen?
Niemand wird morgens wach, schaut in den Spiegel und denkt:
"Heute bin ich plötzlich ein schlechter Autofahrer geworden."
So funktioniert das Leben nicht.
Veränderungen kommen meist schleichend. Die Augen werden etwas schlechter. Die Beweglichkeit lässt nach. Medikamente kommen dazu. Die Reaktionszeit verändert sich. Oft merkt man selbst davon zunächst wenig.
Und genau deshalb ist das Thema so wichtig.
Nicht, weil ältere Menschen grundsätzlich schlechte Autofahrer wären.
Sondern weil jeder Mensch, unabhängig vom Alter, irgendwann ehrlich prüfen sollte, ob er noch sicher unterwegs ist.
Alter bedeutet nicht automatisch Fahruntauglichkeit
Zunächst einmal:
Viele Menschen fahren mit 70, 80 oder sogar 90 Jahren noch sicher, aufmerksam und verantwortungsvoll Auto.
Genauso gibt es 25-Jährige, die ständig aufs Handy schauen, rasen oder Risiken eingehen.
Das Geburtsdatum allein sagt also wenig über die tatsächliche Fahrfähigkeit aus.
Entscheidend ist die Frage:
Kann ich die Anforderungen des heutigen Straßenverkehrs noch sicher bewältigen?
Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte
Es gibt einige Hinweise, die darauf hindeuten können, dass eine ehrliche Selbstprüfung sinnvoll wäre.
Häufige kleine Unfälle
- Rempler beim Einparken
- Kratzer an Pfeilern oder Pollern
- Bordsteinkanten werden häufiger berührt
- Mehrere Parkschäden innerhalb kurzer Zeit
Ein einzelner Kratzer kann jedem passieren.
Wenn solche Situationen jedoch regelmäßig auftreten, sollte man genauer hinschauen.
Verunsicherung in bekannten Situationen
Früher war der Kreisverkehr kein Problem.
Heute entsteht plötzlich Unsicherheit.
Man fragt sich:
- Wer hat Vorfahrt?
- Wann darf ich fahren?
- Habe ich etwas übersehen?
Wenn bekannte Situationen zunehmend Stress auslösen, ist das ein wichtiges Signal.
Andere Verkehrsteilnehmer hupen häufiger
Natürlich gibt es auch ungeduldige Menschen.
Wenn jedoch regelmäßig gehupt wird oder andere Verkehrsteilnehmer sichtbar irritiert reagieren, kann das ein Hinweis sein, dass das eigene Verhalten nicht mehr so sicher oder vorhersehbar ist wie früher.
Nachtfahrten werden vermieden
Viele ältere Menschen verzichten freiwillig auf Fahrten bei Dunkelheit.
Das ist zunächst völlig in Ordnung.
Problematisch wird es, wenn:
- entgegenkommende Fahrzeuge stark blenden
- Verkehrszeichen schlecht erkannt werden
- Unsicherheit oder Angst entsteht
Dann lohnt sich oft schon ein Besuch beim Augenarzt oder eine fachliche Einschätzung.
Man fährt nur noch bekannte Strecken
Der Weg zum Supermarkt funktioniert.
Der Weg zum Arzt funktioniert.
Aber eine Fahrt in eine fremde Stadt?
Lieber nicht.
Wenn der Aktionsradius immer kleiner wird, steckt dahinter manchmal mehr als nur Bequemlichkeit.
Angehörige äußern Sorgen
Dieser Punkt ist besonders schwierig.
Niemand hört gern:
"Du fährst nicht mehr so wie früher."
Trotzdem lohnt es sich, zuzuhören.
Nicht jede Sorge von Kindern oder Enkeln ist berechtigt.
Aber wenn mehrere Menschen unabhängig voneinander ähnliche Beobachtungen machen, sollte man diese nicht sofort abtun.
Die wichtigste Frage: Habe ich selbst ein ungutes Gefühl?
Viele ältere Menschen spüren erstaunlich genau, wenn etwas nicht mehr so läuft wie früher.
Sätze wie:
- „Irgendwie fühle ich mich unsicher.“
- „Früher ging das leichter.“
- „Der Verkehr ist mir manchmal zu hektisch.“
- „Ich bin nach dem Fahren deutlich erschöpfter als früher.“
sollte man ernst nehmen.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Verantwortung.
Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche
Genau hier machen viele Menschen einen Fehler.
Sie denken:
"Wenn ich mir Hilfe hole, muss ich meinen Führerschein abgeben."
Das stimmt nicht.
Eine Beratung bedeutet nicht automatisch Verzicht.
Oft geht es zunächst nur darum, die Situation objektiv einzuschätzen.
Vielleicht reicht:
- eine Auffrischungsfahrt
- ein Training schwieriger Verkehrssituationen
- eine Anpassung der Fahrgewohnheiten
- ein Gespräch über persönliche Unsicherheiten
Manchmal stellt sich sogar heraus:
Sie fahren deutlich besser, als Sie selbst glauben.
Was wir als Fahrschule anbieten können
Als Fahrlehrer erleben wir regelmäßig Menschen, die nach vielen Jahren erstmals wieder eine ehrliche Rückmeldung zu ihrem Fahrverhalten erhalten.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um Prüfungen oder Bewertungen.
Es geht um Fragen wie:
- Wo liegen die Stärken?
- Wo gibt es Unsicherheiten?
- Welche Situationen bereiten Schwierigkeiten?
- Welche Lösungen gibt es?
Gemeinsam schauen wir uns die individuelle Situation an und entwickeln sinnvolle Wege, damit Mobilität möglichst lange erhalten bleiben kann.
Denn Mobilität bedeutet Freiheit.
Einkaufen.
Freunde besuchen.
Zum Arzt fahren.
Am Leben teilnehmen.
Der schwierigste Schritt ist oft nicht das Fahren selbst.
Der schwierigste Schritt ist die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.
Wenn man merkt, dass sich etwas verändert hat, sollte man nicht warten, bis ein größerer Unfall passiert.
Frühzeitig Unterstützung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Zeichen von Verantwortung.
Sich selbst gegenüber.
Und allen anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber.
ABFAHRT – mehr als eine Fahrschule.
Wir unterstützen Menschen rund um das Thema Mobilität: Führerschein B und B197, Fahrangst und Unsicherheit, Wiedereinstieg ins Autofahren, Elektromobilität, Mobilität im Alter.
Schritt für Schritt. Ohne Druck.